(Unverkürzte Version meines Artikel vom letzten Freitag im "Neues Deutschland")
Auf der dritten Etage der Universität der Künste gab es ein heftiges Gewusel am letzten
In Berlin gibt es ca. 10.000 Exiliraner, in Deutschland über 100.000. Die große Fluchtwelle begann Mitte der 80er, als das Abschlachten der Linken und der Opposition in Iran auf Hochtouren kam. Die Gemeinde war zunächst sehr links und unter dem Einfluss kommunistisch orientierten Organisationen. Deren Hauptströmung konnte 1986 über 4000 Leute zu einem Kongress nach Dortmund, eine kleinere Gruppe 1500 nach Köln mobilisieren. Nach 1989 zerfielen die Gruppen. Nicht nur das Scheitern des kommunistischen Projekts, für dem so viele Leben geopfert waren, zerrte die Linke auf. Die Mühlen der Integration meisterten die meisten zwar mehr oder minder erfolgreich. Der Druck des Alltags und fehlende Perspektive einer Wende im Iran ließen aber den Exilaktivismus erlahmen. So waren bis vor kurzem die Linken in der Gemeinde marginalisiert, viele ehemaligen Kader der Linken waren nun ganz im Geiste Blairs oder Schröders zu rechten Sozialdemokraten mutiert, und dank große Amerikanische Fernsehsender befanden sich die Neokonservativen auf dem Vormarsch.
In diesen Tagen ist die Hoffnung für den Iran so stark wie noch nie seit den großen aber kurzen Monaten der Freiheit nach der Revolution 1979, und die Exilgemeinde ebenfalls so agil wie noch nie. Das Bild auf den Demos prägen diesmal Jugendliche. Es ist die zweite Generation, die in Deutschland geboren oder aufgewachsen ist, bisher völlig unpolitisch und sehr auf Karriere bedacht, die zusammen kommt mit der Fluchtwelle studentischer Aktivisten aus dem Iran in den letzten Jahre. In Berlin haben sich zwei Gruppen gebildet, und andere neue kommen gerade dazu.
Die stärkere Gruppe, die die Demonstration vom letzten Sonntag mit 3000 Teilnehmern organisierte, sitzt vor allem in Steglitz. Es ist die Wohnung eines linken Aktivisten, mit 34 der älteste, die in eine Art Hauptquartier verwandelt ist. Unter Ihnen ist die Tochter eines der Oppositionellen, die im Jahre 1992 im Restaurent Mykonos in Berlin von libanesischen Hizbullah im Auftrag der iranischen Geheimdienst ermordert wurden. Es gibt kaum ein junger Iraner aus einem linken Umfeld, wo es keine Hinrichtungen in der Familie gab. Es sind aber auch Leute dabei, die frisch zum Studieren oder promovieren hergekommen sind. Ein andere arbeitet schwarz und wartet auf die Bestätigung seines Asylantrags. Vereinzelt sind auch Kader aus der neuen jungen Linken Irans dabei, die nach vielen Gefängnis- und Foltererfahrungen dann doch die Zelte gebrochen und dank Spendenkampagnen in der Gemeinde durch Schleuser fliehen konnten.
Die Gruppe ist politisch hoch diffus, aber ein linker und rebellischer Diskurs ist wieder erstarkt und wird in den letzten Tagen immer stärker. Die Demo am Sonntag war für viele auch ein kleiner Durchbruch. Die Gemeinde in Berlin ist in den letzten Jahren massiv nach Rechts gerückt, viele sie steht mehrheitlich rechts der Mitte. Sie setzen rein auf moderate Reformen, Radikales verabscheuen sie. Doch am letzten Sonntag, auch Anbetracht der Ereignisse im Iran und unter der Leitung der jüngeren Generation erlebte Berlin die radikalste Iraner-Demo ihrer Geschichte. Dass Ulla Jelpke von der Linksfraktion dort sprach, die Grünen-Chefin Claudia Roth eine begeisternde Rede hielt und der Lautsprecherwagen aus dem Umfeld von Attac kam, förderte die neue Ermutigung der Linken in der iranischen Gemeinde.
Man hat in Berlin selten so eine lautstarke Demonstration gesehen, aber sicher auch keine, auf der soviel geweint wurde. In der Nacht zuvor fielen schon viele Tränen, als das Video von Neda über die Laptops des Werkstatts der UdK lief. Die junge Studentin wird von den Milizen auf einer Demonstration in Tehran angeschossen und stirbt vor laufender Handycamera. Immer wieder kommen Nachrichten über die Festnahme von Freunden und Familie, von Einigen fehlt jede Spur. Als auf der Kantstr. die Hymne der iranischen linken über den Lautsprecherwagen läuft, gehen viele Fäuste hoch, und viele Gesichter sind voller Tränen.

so ist das leben.jede Generation führt ihre Revolution und kämft gegen die capitalistische Opression.dasist das Geheimnis daß den Traum der alle Rechte stört.Die schreien "woher kommen wieder die Linke auf die Scene her,warum sterben sie nicht aus?"
AntwortenLöschenviva die linke junge Generation!
Piran Azad