Heute spielte im großen SFB-Saal der RBB ganz tief im Westen Berlin die iranische Gruppe Mastan (Die Betrunkenen). Ihre Texte sind durchweg sozial- und kulturkritisch. Wenn die Welt so voller Schmerz und Gewalt ist, dann bleibe ich Heute Nacht in einer Ecke im Weinhaus, heisst es in einem Song. Ihr Hit handelt von einem Sterbenden, der sich eine Flasche Wein unter seinem Sarg und Weinpflanzen an seinem Grab wünscht, um auf dem Weg in den Himmel trinken zu können. Was ist das für eine Welt, wo Wein trinken falsch, was ist das für ein Himmel, wo es an Weizen fehlt. Solche Texte sind es, die diesen 8 jungen verdammt guten Musiker in den Iran einen Auftrittsverbot gebracht haben. Vor der Auslandstournee war der Sänger 10 Tage im berüchtigten Evin Gefängnis - ihm wurden unter anderen die Haare kurz geschoren. Doch auch an diesem Abend zeigen sich die gebrochenen Dämme der Angst.
Sie spielen auf klassischen Instrumenten, und ihr Gesang ist ganz in der traditionellen Linie des arabisch abgehauchten Klageliedes. Der Trommler ist wohl der beste, den es gerade auf der Welt gibt - sein Solo allein sind die 20 Euros wert. Doch standig ovations bekommen sie für ihren aktuellen Song, geschrieben für die letzten Wochen: "Sterben werde ich, warum dann nicht für Liebe und Ideale. ich will so in meinem Land begraben werden, und nirgends sonst". Viele Weinen, aber quer zu der üblichen iranischen Tradition der Trauerkult und der Struktur dre Klagelieder bestimmt heute eine euphorische Stimmung diesen großen Saal im westen Berlins.
Sonntag, 5. Juli 2009
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