Dieses Wochenende sollte der Druck fallen. Der letzte Donnerstag, der 18. Tir, traditioneller Kampftag, war gut gelaufen. „meine letzte Zweifel, dass die revolutionäre Periode begonnen hat sind weg“, meinte Papa, „wir haben es denen gezeigt“, so Onkel. So langsam sollte der Alltag wieder beginnen.
Am Samstag machte ich den Fehler, vor dem Frühstück die Mails zu checken. Die „Junge Welt“ hat ein ausführliches Interview mit dem iranischen Botschafter, was mir ordentliche Übelkeit brachte – meine ehemalige Haustageszeitung wird zum Sprachorgan der Verbrecher.
Samstagnacht dominierte dann eine einzige Nachricht mein Facebook: der 19. jähriger Sohrab Arabi ist im Gefängnis unter Folter gestorben. H. kannte ihn gut, und war richtig niedergeschlagen. Er erzählte mir, dass er schon am 15. Juni umkam, auf einer Demo erschossen. Das beruhigte ihm etwas über die Zustände im Evin-Gefängnis. Hamid war mit Sch., Mama und M. nach Aachen gefahren – Sohrab war Neffe unsere engen Freunde dort, bei denen wir vor 3 Jahren noch den Norooz (iranisches Neujahr) gefeiert hatten. Mama erzählte, dass sie seit drei Tagen nur weinen.
Bisher war ich nur von Euphorie geleitet. Klar, die Revolution kostet immer ihre Opfer, wir werden mit Blut zahlen. Mir wurde erzählt von den Foltern in den Knästen, aber den Democrew meiner Familie in Tehran ging es gut; ich hatte die schlimmen Videos gemieden, und wollte die Schmerzen fernhalten, die Verluste so weit es ging unpersönlich, abstrakt halten. Das ist nun vorbei. Die Freude über den guten Gang der Revolution ist jetzt abstrakt, die Trauer hat mich gekriegt.
Montag, 13. Juli 2009
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